Hochwürdige Mitbrüder, ehrwürdige Brüder und Schwestern im Ordensstand, liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter!
Vor fast einem Jahr hatte ich die Gelegenheit, das Noviziat der Oblatinnen in der Westschweiz zu besuchen und die Zeremonie der Einkleidung und Ordensprofess zu halten. Ich möchte einen Teil meiner dortigen Predigt hier wiedergeben, um das Ordensleben zu zeigen und auch die Bedeutung dieser Ordensschwestern für die Priesterbruderschaft. Denn die Oblatinnen sind wirklich ein Schatz, und wir brauchen viele, viele in allen unseren Häusern! Herr, schenke uns gerade auch hier Berufungen!
Ein wichtiger Schritt im Leben der Oblatin
Die Einkleidung ist das erste große sichtbare Ja auf dem Weg ins klösterliche Leben. Ebenso sind es die erste Profess einer Schwester und auch die Erneuerung der Profess. Es ist ein Tag der Freude, ein Tag der inneren Bewegung für alle. Es ist ein Tag, an dem wir gemeinsam Zeugen werden, wie Gottes Ruf in einer konkreten Biografie eines Menschen Antwort findet. Am hohen Festtag der Sieben Schmerzen Mariens im September werden die Oblatinnen eingekleidet und legen die Profess ab. Sie wollen sich besonders von der Mater Dolorosa an der Hand nehmen und zu Jesus führen lassen. Wir betrachten auch das Geheimnis des Heiligen Kreuzes. Vor genau 1700 Jahren hat die hl. Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen, das Heilige Kreuz in Jerusalem aufgefunden. Die Oblatinnen haben auch das Kreuz in ihrem Leben gefunden und sind in die Nachfolge Christi eingetreten. Nachfolge Christi ist ja immer Kreuzesnachfolge. Wir dürfen seine Jünger sein. Die Oblatinnen folgen besonders der Mater Dolorosa und sind ganz nahe beim Kreuz und dadurch nahe beim heiligen Messopfer und bei den Priestern. Das ist ihre himmlische Berufung, für die wir Gott danken.
Der Ruf in die Nachfolge
Am Anfang steht ein leises, manchmal kaum hörbares Rufen. Es ist der Ruf Gottes, der jede Person, die sich auf den Weg in ein Kloster macht, auf einzigartige Weise berührt. Dieser Ruf ist nicht immer spektakulär, oft ist er schlicht, fast unscheinbar, und dennoch grundlegend. Er spricht zum Herzen und fordert heraus, alte Sicherheiten loszulassen und sich auf eine neue Lebensform einzulassen – auf ein Leben in Gemeinschaft, in Gebet und Dienst.
Die Einkleidung ist das äußere Zeichen für diese innere Bereitschaft, einen neuen Schritt zu wagen. Die Gewandung, die heute überreicht wird, ist nicht nur ein neues Kleidungsstück, sondern Symbol für einen Wandel, der in der Tiefe geschieht. Es ist ein „Anziehen Christi“, wie es der Apostel Paulus beschreibt: „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“ (Gal 3, 27)
Loslassen und Neuwerden
Der Weg in das klösterliche Leben ist ein Weg des Loslassens. Wer eintritt, lässt vieles zurück: Familie, Freundschaften, Besitz, persönliche Pläne.
Blicken wir auf den Patriarchen Abraham im Alten Testament: Der Herr sprach zu ihm: „Geh weg aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, dass ich dir zeigen werde!“ Abraham soll alles verlassen, was sein Leben ausmacht, die vertraute Heimat, die familiäre Geborgenheit mit ungewisser Zukunft eintauschen, ja, ihm wird nicht einmal gesagt, wohin es denn gehen soll… So macht es Gott im Laufe der Geschichte immer wieder mit den Menschen. Der Ruf Gottes ist immer eine gewisse Prüfung unseres Vertrauens, unserer Demut, aber auch unserer Kühnheit. Abraham soll sich ganz Gottes gnadenhafter Führung anvertrauen. Er wird herausgefordert, offen dafür zu bleiben, was Gott ihm zeigen will. Abraham hat ab jetzt keine Gewissheit mehr, das was er hat, ist eine Verheißung, eine Verheißung, die aber seinem Leben den eigentlichen, tiefen Sinn gibt: ICH will dich zu einem großen Volk machen, ICH will dich segnen und deinen Namen groß machen und du sollst, du wirst ein Segen sein!
Oblatinnen sind ein Segen für die Kirche
Genau das ist auch das Leben der Oblatinnen! Sie sollen ein Segen werden für die Kirche, für die Priesterbruderschaft. Gott ist mit ihnen, er segnet sie in besonderer Weise und durch ihr Ordensleben werden sie zum besonderen Segen für unsere Familie! Genau das hatte gewiss auch unser verehrter Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre vor Augen!
Das Ordensgewand ist ein Gewand der Einfachheit, fern von Mode und Statussymbolen, und es erinnert an die Entschiedenheit Jesu: „Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Lk 9, 58) Es ist ein Gewand, das die Schwester Tag für Tag daran erinnern wird, dass die Nachfolge Jesu ein Weg ist, der immer wieder Starkmut und Entschiedenheit braucht. Ihr Ordensgewand ist etwas Heiliges. Die Schwestern dürfen gerne immer wieder ihren gesegneten Habit küssen und gerne haben. Das Ordensgewand verbindet sie in wunderbarer Weise mit dem Heiland!
Ein Leben im Kloster, in einer Kongregation ist nie ein Leben für sich alleine, sondern immer ein Leben in Gemeinschaft. Es ist ein ständiges Üben im Zusammenleben, ein Lernen, die eigenen Eigenarten und die der anderen annehmen zu können. In der Gemeinschaft wird das Evangelium konkret: Hier wird Vergebung geübt, Geduld eingeübt, Freude geteilt und Leid getragen. Die Einkleidung ist immer auch ein Fest der Gemeinschaft. Wir alle tragen mit unserer Gegenwart die Hoffnung und die Freude darüber, dass Gott Menschen ruft und zusammenführt. Gemeinschaft ist eine Gabe und gleichzeitig eine große Aufgabe.
Von Gott berührt – für andere da
Das Klosterleben ist kein Selbstzweck. Alle Ordensleute, kontemplativ oder aktiv, oder auch beides, sind gerufen, der Kirche zu dienen, das heißt, für die Rettung der Seelen zu arbeiten. Das gilt in besonderer Weise auch für die Oblatinnen der Bruderschaft. Möge Gott der Allmächtige sie und alle Ordensschwestern reich begnaden und ihre Hingabe fruchtbar machen. Möge die Mater Dolorosa ihnen immer den Weg zeigen, der manchmal leicht zu gehen ist, manchmal aber auch sehr steil wird. Mut ist gefragt, sich total in den Dienst Gottes und der Kirche zu stellen! Was gibt es Schöneres? Helfen wir doch alle tatkräftig mit, damit viele Frauen diesen wunderbaren Weg erkennen. Seien wir keine Hindernisse für den lieben Gott, sondern gute Werkzeuge. Die ehrwürdigen Schwestern dürfen gerne ein sehr schwaches Werkzeug sein, denn Gott ist unendlich stark und das reicht aus. Aber wir alle, auch wir Priester, müssen Werkzeuge Gottes sein und keine Hindernisse und Bremsen. Gehen wir im Schrittmaß Gottes, und seien wir vor allem immer treu unserer Berufung. So werden wir wirklich, wie Abraham, ein Segen sein und werden.
Beten wir für viele Berufungen zum Ordensstand, Ordensbrüder und Ordensschwestern sind so dringend notwendig in der Kirche. Wie schlecht sind sie oft behandelt worden in den letzten Jahrzehnten, die Vernachlässigung des Ordensstandes ist himmelschreiend geworden in der Kirche. Es scheint, dass man oft selbst in der Ordenskongregation in Rom nicht mehr weiß, was gottgeweihte Seelen sind! Lieben wir alle Ordensschwestern, die Kirche braucht sie, die Seelen brauchen sie, das Gebet und Opfer der Schwestern und den liebenden Dienst der Schwestern, der alle zu Christus führt!
Mit meinem priesterlichen Segen,
Jaidhof, am 1. August 2026
Hochwürdige Mitbrüder, ehrwürdige Brüder und Schwestern im Ordensstand, liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter!
Vor fast einem Jahr hatte ich die Gelegenheit, das Noviziat der Oblatinnen in der Westschweiz zu besuchen und die Zeremonie der Einkleidung und Ordensprofess zu halten. Ich möchte einen Teil meiner dortigen Predigt hier wiedergeben, um das Ordensleben zu zeigen und auch die Bedeutung dieser Ordensschwestern für die Priesterbruderschaft. Denn die Oblatinnen sind wirklich ein Schatz, und wir brauchen viele, viele in allen unseren Häusern! Herr, schenke uns gerade auch hier Berufungen!
Ein wichtiger Schritt im Leben der Oblatin
Die Einkleidung ist das erste große sichtbare Ja auf dem Weg ins klösterliche Leben. Ebenso sind es die erste Profess einer Schwester und auch die Erneuerung der Profess. Es ist ein Tag der Freude, ein Tag der inneren Bewegung für alle. Es ist ein Tag, an dem wir gemeinsam Zeugen werden, wie Gottes Ruf in einer konkreten Biografie eines Menschen Antwort findet. Am hohen Festtag der Sieben Schmerzen Mariens im September werden die Oblatinnen eingekleidet und legen die Profess ab. Sie wollen sich besonders von der Mater Dolorosa an der Hand nehmen und zu Jesus führen lassen. Wir betrachten auch das Geheimnis des Heiligen Kreuzes. Vor genau 1700 Jahren hat die hl. Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen, das Heilige Kreuz in Jerusalem aufgefunden. Die Oblatinnen haben auch das Kreuz in ihrem Leben gefunden und sind in die Nachfolge Christi eingetreten. Nachfolge Christi ist ja immer Kreuzesnachfolge. Wir dürfen seine Jünger sein. Die Oblatinnen folgen besonders der Mater Dolorosa und sind ganz nahe beim Kreuz und dadurch nahe beim heiligen Messopfer und bei den Priestern. Das ist ihre himmlische Berufung, für die wir Gott danken.
Der Ruf in die Nachfolge
Am Anfang steht ein leises, manchmal kaum hörbares Rufen. Es ist der Ruf Gottes, der jede Person, die sich auf den Weg in ein Kloster macht, auf einzigartige Weise berührt. Dieser Ruf ist nicht immer spektakulär, oft ist er schlicht, fast unscheinbar, und dennoch grundlegend. Er spricht zum Herzen und fordert heraus, alte Sicherheiten loszulassen und sich auf eine neue Lebensform einzulassen – auf ein Leben in Gemeinschaft, in Gebet und Dienst.
Die Einkleidung ist das äußere Zeichen für diese innere Bereitschaft, einen neuen Schritt zu wagen. Die Gewandung, die heute überreicht wird, ist nicht nur ein neues Kleidungsstück, sondern Symbol für einen Wandel, der in der Tiefe geschieht. Es ist ein „Anziehen Christi“, wie es der Apostel Paulus beschreibt: „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“ (Gal 3, 27)
Loslassen und Neuwerden
Der Weg in das klösterliche Leben ist ein Weg des Loslassens. Wer eintritt, lässt vieles zurück: Familie, Freundschaften, Besitz, persönliche Pläne.
Blicken wir auf den Patriarchen Abraham im Alten Testament: Der Herr sprach zu ihm: „Geh weg aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, dass ich dir zeigen werde!“ Abraham soll alles verlassen, was sein Leben ausmacht, die vertraute Heimat, die familiäre Geborgenheit mit ungewisser Zukunft eintauschen, ja, ihm wird nicht einmal gesagt, wohin es denn gehen soll… So macht es Gott im Laufe der Geschichte immer wieder mit den Menschen. Der Ruf Gottes ist immer eine gewisse Prüfung unseres Vertrauens, unserer Demut, aber auch unserer Kühnheit. Abraham soll sich ganz Gottes gnadenhafter Führung anvertrauen. Er wird herausgefordert, offen dafür zu bleiben, was Gott ihm zeigen will. Abraham hat ab jetzt keine Gewissheit mehr, das was er hat, ist eine Verheißung, eine Verheißung, die aber seinem Leben den eigentlichen, tiefen Sinn gibt: ICH will dich zu einem großen Volk machen, ICH will dich segnen und deinen Namen groß machen und du sollst, du wirst ein Segen sein!
Oblatinnen sind ein Segen für die Kirche
Genau das ist auch das Leben der Oblatinnen! Sie sollen ein Segen werden für die Kirche, für die Priesterbruderschaft. Gott ist mit ihnen, er segnet sie in besonderer Weise und durch ihr Ordensleben werden sie zum besonderen Segen für unsere Familie! Genau das hatte gewiss auch unser verehrter Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre vor Augen!
Das Ordensgewand ist ein Gewand der Einfachheit, fern von Mode und Statussymbolen, und es erinnert an die Entschiedenheit Jesu: „Füchse haben Höhlen und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Lk 9, 58) Es ist ein Gewand, das die Schwester Tag für Tag daran erinnern wird, dass die Nachfolge Jesu ein Weg ist, der immer wieder Starkmut und Entschiedenheit braucht. Ihr Ordensgewand ist etwas Heiliges. Die Schwestern dürfen gerne immer wieder ihren gesegneten Habit küssen und gerne haben. Das Ordensgewand verbindet sie in wunderbarer Weise mit dem Heiland!
Ein Leben im Kloster, in einer Kongregation ist nie ein Leben für sich alleine, sondern immer ein Leben in Gemeinschaft. Es ist ein ständiges Üben im Zusammenleben, ein Lernen, die eigenen Eigenarten und die der anderen annehmen zu können. In der Gemeinschaft wird das Evangelium konkret: Hier wird Vergebung geübt, Geduld eingeübt, Freude geteilt und Leid getragen. Die Einkleidung ist immer auch ein Fest der Gemeinschaft. Wir alle tragen mit unserer Gegenwart die Hoffnung und die Freude darüber, dass Gott Menschen ruft und zusammenführt. Gemeinschaft ist eine Gabe und gleichzeitig eine große Aufgabe.
Von Gott berührt – für andere da
Das Klosterleben ist kein Selbstzweck. Alle Ordensleute, kontemplativ oder aktiv, oder auch beides, sind gerufen, der Kirche zu dienen, das heißt, für die Rettung der Seelen zu arbeiten. Das gilt in besonderer Weise auch für die Oblatinnen der Bruderschaft. Möge Gott der Allmächtige sie und alle Ordensschwestern reich begnaden und ihre Hingabe fruchtbar machen. Möge die Mater Dolorosa ihnen immer den Weg zeigen, der manchmal leicht zu gehen ist, manchmal aber auch sehr steil wird. Mut ist gefragt, sich total in den Dienst Gottes und der Kirche zu stellen! Was gibt es Schöneres? Helfen wir doch alle tatkräftig mit, damit viele Frauen diesen wunderbaren Weg erkennen. Seien wir keine Hindernisse für den lieben Gott, sondern gute Werkzeuge. Die ehrwürdigen Schwestern dürfen gerne ein sehr schwaches Werkzeug sein, denn Gott ist unendlich stark und das reicht aus. Aber wir alle, auch wir Priester, müssen Werkzeuge Gottes sein und keine Hindernisse und Bremsen. Gehen wir im Schrittmaß Gottes, und seien wir vor allem immer treu unserer Berufung. So werden wir wirklich, wie Abraham, ein Segen sein und werden.
Beten wir für viele Berufungen zum Ordensstand, Ordensbrüder und Ordensschwestern sind so dringend notwendig in der Kirche. Wie schlecht sind sie oft behandelt worden in den letzten Jahrzehnten, die Vernachlässigung des Ordensstandes ist himmelschreiend geworden in der Kirche. Es scheint, dass man oft selbst in der Ordenskongregation in Rom nicht mehr weiß, was gottgeweihte Seelen sind! Lieben wir alle Ordensschwestern, die Kirche braucht sie, die Seelen brauchen sie, das Gebet und Opfer der Schwestern und den liebenden Dienst der Schwestern, der alle zu Christus führt!
Mit meinem priesterlichen Segen,
Jaidhof, am 1. August 2026