Vorwort des Distriktoberen
Das innere Leben – unsere große Aufgabe
Tiefstes Schweigen hielt alles umfangen

Hochwürdige Mitbrüder, ehrwürdige Brüder und Schwestern im Ordensstand, liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter!

Dum medium silentium tenerent omnia, et nox in suo cursu medium iter haberet, omnipotens Sermo tuus, Domine, de cælis a regalibus sedibus venit. Tiefstes Schweigen hielt alles umfangen: die Nacht hatte in ihrem Lauf die Mitte ihres Weges erreicht: da kam, o Herr, aus dem Himmel vom Königsthrone herab Dein allmächtiges Wort (Weish 18, 14-15). Diese geheimnisvollen Worte der alttestamentlichen Weisheitsliteratur hören wir in der Liturgie der Weihnachtszeit. Seit vielen Jahrhunderten sprechen die Theologen, die Väter der Kirche, die großen Lehrer des geistlichen Lebens von den drei Ankünften Christi in dieser Welt.

Die erste fand vor 2000 Jahren statt und zwar in der Armseligkeit unseres sterblichen Fleisches. Die zweite, die Parusie, wird am Ende unserer Zeit stattfinden, wenn Er im Glanz Seiner Herrlichkeit erscheinen wird, um alle Geschöpfe zu richten und zur Vollendung zu bringen.

Das reale Kommen Jesu in unserer Seele

Zwischen dem ersten und dem letzten sichtbaren Kommen Jesu Christi gibt es ein anderes, unsichtbares, aber äußerst reales Kommen Jesu in der Seele derjenigen, die Ihn empfangen wollen. Es ist wie eine neue Fleischwerdung des Wortes, das der Sohn Gottes ist, im Herzen des Christen zu unserem Heil.

Denn man muss verstehen, dass das Wort Gottes nicht nur Ausdruck Seiner Größe und Seiner Liebe ist, sondern Selbsthingabe, sodass der Mensch, der nun Sein Wort empfängt, Gott selbst empfängt im eigenen Herzen. Ich weiß nicht, wie ich das erklären und annehmbar machen könnte, aber es ist so. Die christliche Seele, die das Wort Gottes hört, nimmt am inneren Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit teil: der Vater zeugt den Sohn in der Seele des Christen, welche dadurch zu einem wahren Kind Gottes wird.

Die Gotteskindschaft – wesentlich im geistlichen Leben

Denn die Liebe – beim Menschen genauso wie bei Gott – besteht nicht in irgendeiner Gabe, sondern in der Selbstübergabe. „Gott liebt uns“ bedeutet, dass Er sich uns hingibt, dass Er uns Sein Leben schenkt, Sein ganzes Sein, damit wir das Leben, das Er besitzt, auch besitzen.

Das sind die Torheiten der Liebe, die Gott ist. Das ist das Geheimnis des christlichen Lebens, das mehr als menschlich, viel mehr als zeitlich ist, die göttliche Gabe, durch die sich der Vater im Sohn und mit dem Sohn uns hingibt. Und das ist unsere Reinigung, unser Heil und unsere Heiligung. Er erhebt uns über uns selbst, sodass wir uns nicht nur Kinder Gottes nennen, sondern, wie Johannes sagt, Kinder Gottes sind.

Wir stellen uns Fragen der Wissenschaft und der Sittlichkeit, wir klammern uns an Gebote und Verbote, wir reden von Pflichten und Rechten, der laue Mensch vor allem von Rechten, wir versuchen sogar, unsere Leidenschaften zu zähmen und unseren Charakter zu bessern. Aber das Wichtigste, das Wesentliche, das Eigentliche vom christlichen Dasein besteht in dieser Empfänglichkeit, in dieser Bereitschaft, das Wort Gottes zu empfangen. Denn Christus will in uns leben und durch uns wirken, in unseren Gedanken, in unseren Absichten, in unseren Handlungen, ja Er will leben aus unseren Gedanken, Absichten und Handlungen, wie das Kind von der Mutter und durch die Mutter lebt. Deshalb versuchen wir in unserem inneren Leben gerne die heilige Jungfrau Maria nachzuahmen: “Siehe ich bin die Magd, es geschehe mir nach Deinem Wort!” Und das Wort ist Fleisch geworden und wohnte bei uns.

Jesus finden im Lärm des Alltags

Er wird in uns geboren und unser ganzes Leben wird Sein Leben sein, hier und jetzt.Torheiten der Liebe, die Gott ist! Es fällt uns schwer, es scheint uns das alles zu hoch, zu mystisch, ohne Bezug zu unseren täglichen Sorgen und Mühen, aber das Wort Gottes zu hören und zu empfangen, heißt genau, dass wir uns dessen bewusst werden, dass Jesus in uns und durch uns lebt inmitten des Lärms der Arbeit des Alltags. Wo suchen wir Ihn? Die Liturgie der Weihnachtszeit belehrt uns mit dem schönen Hinweis darauf, dass das allmächtige Wort Gottes im tiefsten Schweigen der Nacht bis zu uns hinuntersteigt.

Das innere Schweigen lernen!

Man muß das innere Schweigen, die Besänftigung und Beruhigung aller Stürme der Seele und des Blutes lernen, um das Wort Gottes vernehmen und übermitteln zu können.

Alle, Priester, Ordensleute und Laien, müssen wir uns bemühen, damit im Kopf und im Herzen Stille, Ruhe, Gelassenheit herrschen und uns von Zeit zu Zeit sagen: Beruhige dich, meine Seele und so wirst du die Stimme des Geliebten wahrnehmen, das Wort Dessen, Der dich unbedingt liebt. Sei still, schweige, höre zu, so wirst du jeden Tag erkennen, was Er von dir erwartet, was Er souffliert mit Seiner leisen Stimme, damit du es weitersagst. So wirst du eines Tages das Wunderbare der Worte des himmlischen Vaters verstehen: „Du bist Mein geliebtes Kind, an dem ich Mein Wohlgefallen habe” und auch die Worte des hl. Völkerapostels Paulus: „Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir.” Versuchen wir, zu schweigen, um hinzuhören – diese Wirklichkeit der christlichen Existenz,–- dass Er selbst uns erleuchte und entzünde.

Früchte des Heiligen Jahres 2025

Das ordentliche Jubiläumsjahr geht zu Ende, welche Früchte wird es geben? Vieles wird sich erst in einiger Zeit herausstellen. Als gute Katholiken sind wir natürlich sehr gerne nach Rom gefahren, haben den Segen des Heiligen Vaters empfangen. Wir haben uns gefreut, die Gräber der Apostel zu besuchen, bei so vielen Heiligen beten zu können und den Mittelpunkt der Kirche auf dem Erdkreis zu sehen. Wir haben unsere römische Gesinnung gestärkt, denn als Katholiken sind wir alle auch immer Römer. So blicken wir mit viel Gottvertrauen und in der tiefen Freude, Katholiken zu sein, in die Zukunft.

Blick auf unseren geliebten Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre

Wir sehen ihn voller Freude als den, von der Liebe zu Gott und der Kirche glühenden, römischen Priester, den afrikanischen Missionar, den Bischof, der vom Eifer für die Heiligkeit des Priestertums verzehrt wird, und den unerschütterlichen Verteidiger des Königtums Christi gegen zahlreiche falsche Neuerungen in der Kirche, die keinen neuen Frühling brachten. Betrachten wir einmal mehr auch in diesem Jahr seine tiefen, prophetischen Worte von 21. November 1974, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben: „Die einzige Haltung der Treue zur Kirche und zur katholischen Lehre für unser Heil ist die kategorische Weigerung, die Reformation zu akzeptieren. Deshalb setzen wir ohne jegliche Rebellion, Bitterkeit oder Ressentiments unser Werk der Priesterausbildung unter dem Stern des Lehramts von jeher fort, in der Überzeugung, dass wir der heiligen katholischen Kirche, dem Papst und den künftigen Generationen keinen größeren Dienst erweisen können.“

In diesem Sinnen wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes Neues Jahr A. D. 2026.

Mit meinem priesterlichen Segen!

 

Jaidhof, am 1. Jänner 2026

Fest der Beschneidung des Herrn, Oktavtag von Weihnachten

Vorwort des Distriktoberen
Das innere Leben – unsere große Aufgabe
Tiefstes Schweigen hielt alles umfangen

Hochwürdige Mitbrüder, ehrwürdige Brüder und Schwestern im Ordensstand, liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter!

Dum medium silentium tenerent omnia, et nox in suo cursu medium iter haberet, omnipotens Sermo tuus, Domine, de cælis a regalibus sedibus venit. Tiefstes Schweigen hielt alles umfangen: die Nacht hatte in ihrem Lauf die Mitte ihres Weges erreicht: da kam, o Herr, aus dem Himmel vom Königsthrone herab Dein allmächtiges Wort (Weish 18, 14-15). Diese geheimnisvollen Worte der alttestamentlichen Weisheitsliteratur hören wir in der Liturgie der Weihnachtszeit. Seit vielen Jahrhunderten sprechen die Theologen, die Väter der Kirche, die großen Lehrer des geistlichen Lebens von den drei Ankünften Christi in dieser Welt.

Die erste fand vor 2000 Jahren statt und zwar in der Armseligkeit unseres sterblichen Fleisches. Die zweite, die Parusie, wird am Ende unserer Zeit stattfinden, wenn Er im Glanz Seiner Herrlichkeit erscheinen wird, um alle Geschöpfe zu richten und zur Vollendung zu bringen.

Das reale Kommen Jesu in unserer Seele

Zwischen dem ersten und dem letzten sichtbaren Kommen Jesu Christi gibt es ein anderes, unsichtbares, aber äußerst reales Kommen Jesu in der Seele derjenigen, die Ihn empfangen wollen. Es ist wie eine neue Fleischwerdung des Wortes, das der Sohn Gottes ist, im Herzen des Christen zu unserem Heil.

Denn man muss verstehen, dass das Wort Gottes nicht nur Ausdruck Seiner Größe und Seiner Liebe ist, sondern Selbsthingabe, sodass der Mensch, der nun Sein Wort empfängt, Gott selbst empfängt im eigenen Herzen. Ich weiß nicht, wie ich das erklären und annehmbar machen könnte, aber es ist so. Die christliche Seele, die das Wort Gottes hört, nimmt am inneren Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit teil: der Vater zeugt den Sohn in der Seele des Christen, welche dadurch zu einem wahren Kind Gottes wird.

Die Gotteskindschaft – wesentlich im geistlichen Leben

Denn die Liebe – beim Menschen genauso wie bei Gott – besteht nicht in irgendeiner Gabe, sondern in der Selbstübergabe. „Gott liebt uns“ bedeutet, dass Er sich uns hingibt, dass Er uns Sein Leben schenkt, Sein ganzes Sein, damit wir das Leben, das Er besitzt, auch besitzen.

Das sind die Torheiten der Liebe, die Gott ist. Das ist das Geheimnis des christlichen Lebens, das mehr als menschlich, viel mehr als zeitlich ist, die göttliche Gabe, durch die sich der Vater im Sohn und mit dem Sohn uns hingibt. Und das ist unsere Reinigung, unser Heil und unsere Heiligung. Er erhebt uns über uns selbst, sodass wir uns nicht nur Kinder Gottes nennen, sondern, wie Johannes sagt, Kinder Gottes sind.

Wir stellen uns Fragen der Wissenschaft und der Sittlichkeit, wir klammern uns an Gebote und Verbote, wir reden von Pflichten und Rechten, der laue Mensch vor allem von Rechten, wir versuchen sogar, unsere Leidenschaften zu zähmen und unseren Charakter zu bessern. Aber das Wichtigste, das Wesentliche, das Eigentliche vom christlichen Dasein besteht in dieser Empfänglichkeit, in dieser Bereitschaft, das Wort Gottes zu empfangen. Denn Christus will in uns leben und durch uns wirken, in unseren Gedanken, in unseren Absichten, in unseren Handlungen, ja Er will leben aus unseren Gedanken, Absichten und Handlungen, wie das Kind von der Mutter und durch die Mutter lebt. Deshalb versuchen wir in unserem inneren Leben gerne die heilige Jungfrau Maria nachzuahmen: “Siehe ich bin die Magd, es geschehe mir nach Deinem Wort!” Und das Wort ist Fleisch geworden und wohnte bei uns.

Jesus finden im Lärm des Alltags

Er wird in uns geboren und unser ganzes Leben wird Sein Leben sein, hier und jetzt.Torheiten der Liebe, die Gott ist! Es fällt uns schwer, es scheint uns das alles zu hoch, zu mystisch, ohne Bezug zu unseren täglichen Sorgen und Mühen, aber das Wort Gottes zu hören und zu empfangen, heißt genau, dass wir uns dessen bewusst werden, dass Jesus in uns und durch uns lebt inmitten des Lärms der Arbeit des Alltags. Wo suchen wir Ihn? Die Liturgie der Weihnachtszeit belehrt uns mit dem schönen Hinweis darauf, dass das allmächtige Wort Gottes im tiefsten Schweigen der Nacht bis zu uns hinuntersteigt.

Das innere Schweigen lernen!

Man muß das innere Schweigen, die Besänftigung und Beruhigung aller Stürme der Seele und des Blutes lernen, um das Wort Gottes vernehmen und übermitteln zu können.

Alle, Priester, Ordensleute und Laien, müssen wir uns bemühen, damit im Kopf und im Herzen Stille, Ruhe, Gelassenheit herrschen und uns von Zeit zu Zeit sagen: Beruhige dich, meine Seele und so wirst du die Stimme des Geliebten wahrnehmen, das Wort Dessen, Der dich unbedingt liebt. Sei still, schweige, höre zu, so wirst du jeden Tag erkennen, was Er von dir erwartet, was Er souffliert mit Seiner leisen Stimme, damit du es weitersagst. So wirst du eines Tages das Wunderbare der Worte des himmlischen Vaters verstehen: „Du bist Mein geliebtes Kind, an dem ich Mein Wohlgefallen habe” und auch die Worte des hl. Völkerapostels Paulus: „Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir.” Versuchen wir, zu schweigen, um hinzuhören – diese Wirklichkeit der christlichen Existenz,–- dass Er selbst uns erleuchte und entzünde.

Früchte des Heiligen Jahres 2025

Das ordentliche Jubiläumsjahr geht zu Ende, welche Früchte wird es geben? Vieles wird sich erst in einiger Zeit herausstellen. Als gute Katholiken sind wir natürlich sehr gerne nach Rom gefahren, haben den Segen des Heiligen Vaters empfangen. Wir haben uns gefreut, die Gräber der Apostel zu besuchen, bei so vielen Heiligen beten zu können und den Mittelpunkt der Kirche auf dem Erdkreis zu sehen. Wir haben unsere römische Gesinnung gestärkt, denn als Katholiken sind wir alle auch immer Römer. So blicken wir mit viel Gottvertrauen und in der tiefen Freude, Katholiken zu sein, in die Zukunft.

Blick auf unseren geliebten Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre

Wir sehen ihn voller Freude als den, von der Liebe zu Gott und der Kirche glühenden, römischen Priester, den afrikanischen Missionar, den Bischof, der vom Eifer für die Heiligkeit des Priestertums verzehrt wird, und den unerschütterlichen Verteidiger des Königtums Christi gegen zahlreiche falsche Neuerungen in der Kirche, die keinen neuen Frühling brachten. Betrachten wir einmal mehr auch in diesem Jahr seine tiefen, prophetischen Worte von 21. November 1974, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben: „Die einzige Haltung der Treue zur Kirche und zur katholischen Lehre für unser Heil ist die kategorische Weigerung, die Reformation zu akzeptieren. Deshalb setzen wir ohne jegliche Rebellion, Bitterkeit oder Ressentiments unser Werk der Priesterausbildung unter dem Stern des Lehramts von jeher fort, in der Überzeugung, dass wir der heiligen katholischen Kirche, dem Papst und den künftigen Generationen keinen größeren Dienst erweisen können.“

In diesem Sinnen wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes Neues Jahr A. D. 2026.

Mit meinem priesterlichen Segen!

 

Jaidhof, am 1. Jänner 2026

Fest der Beschneidung des Herrn, Oktavtag von Weihnachten

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