Vorwort des Distriktoberen
Ein zentraler Satz der großen hl. Theresia von Jesus für uns
„No apocar los deseos!“

Hochwürdige Mitbrüder, ehrwürdige Brüder und Schwestern im Ordensstand, liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter!

Mein Vorwort im Juli beginnt auf Spanisch. Vielleicht wissen Sie, dass Kaiser Karl VI. die spanische Sprache so sehr liebte, dass er sie auch bei uns einführen wollte. Es ist auch eine zutiefst katholische Sprache, vor allem, wenn wir auf das große goldene Zeitalter der spanischen Literatur blicken. Und Kaiser Karl V. bekannte, auf Spanisch zu beten, die anderen Sprachen bei anderen Gelegenheiten zu benutzen. Aber kommen wir zur Sache.

Die Wünsche nicht verringern!

Die hl. Theresia von Jesus (von Ávila, 1515–1582) sagte öfters zu ihren Nonnen, dass sie ihre Wünsche nicht verringern dürfen, no apocar/acortar los deseos. Ganz gegenteilig sollen religiöse Menschen handeln! Es ist gerade ein Zeichen des Fortschritts in der Beziehung zu Gott, dass wir immer tiefer und beständiger werden, dass man immer größere, nicht Ansprüche, sondern immer größere Bitten erhebt. Auch ich darf immer wieder daran erinnern.

Blicken wir in diesem Zusammenhang auf die Worte des hl. Apostels Paulus im Galaterbrief (Gal 2, 20): „Soweit ich lebe – Wort für Wort ist von Bedeutung! – lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.“ Es ist diese unglaubliche Aussage, die doch den Kern unseres praktischen täglichen Glaubens bildet. Gott ist der Mittelpunkt unseres Lebens, er ist mein Alles, er ist die Liebe, er ist der tiefste Grund und das Ziel meines Seins.

Gottes heiliger Wille

Ich will Dich, Dich allein, weil Du mein Alles bist. Und das immer mehr zu erleben, ist ein gutes Zeichen, dass wir endlich das geistliche Leben zu verstehen beginnen, den Plan Gottes mit uns verstehen. Dann werden wir auch immer ruhiger. Was für ein Frieden, sich geliebt zu wissen von ihm, auch wenn ich in einem Kerker schmachte, auch wenn ich von allen Menschen verfolgt und missverstanden werde. Aber die Heiligen wussten und wissen genau, was die Einsamkeit ist, d. h. inmitten der Welt sich allein zu wissen, gekreuzigt mit dem Gekreuzigten, und sie wissen auch genau, dass propter crucem venit gaudium – wegen des Kreuzes die Freude kommt -  die wahre Freude, die nur Gott schenkt.

Heilig werden, tugendhaft werden

Der Beginn des Epheserbriefes des hl. Paulus bringt den herrlichen Satz: „Sicut elegit nos in ipso ante mundi constitutionem, ut essemus sancti et immaculati in conspectu ejus in caritate. – Wie Er uns denn in Ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und unbefleckt vor Ihm seien in Liebe“ (Eph 1, 4). Wir sind von Gott gerufen, berufen, heilig zu werden, vollkommen zu werden. Das ist grundlegend für uns Christen. Dann müssen wir aber auch auf die Tugenden blicken, auf das Ringen um die Tugenden durch den geistlichen Kampf, durch das christliche Leben im Alltag. Der hl. Thomas von Aquin bringt uns eine einfache, wunderbare Tugendlehre, die gültig ist für alle Zeiten. Des Menschen Gut ist das Gut der Vernunft und dieses Gut besitzt in seiner Wesenheit die Tugend der Klugheit, welche die Vollendung der Vernunft ist. Die Gerechtigkeit ist die Verwirklicherin dieses Gutes, ihr kommt es zu, in allen Menschen die Ordnung der Vernunft aufzurichten. Und die anderen Tugenden erhalten und schützen dieses Gut, sofern sie die Leidenschaften ordnen, damit sie den Menschen nicht vom Gut der Vernunft abwendig machen. In der Rangfolge dieser anderen Tugenden hat die Stärke oder Tapferkeit den ersten Platz und ihr folgt die temperantia, die Mäßigkeit. Die Wesenheit ist höher als das, was die Verwirklichung betrifft und diese wiederum ist höher als das, was die Erhaltung betrifft, sofern nur das Hinderliche hinweggeräumt wird.

Und darum ist unter den Kardinaltugenden die Klugheit die vornehmste, die Gerechtigkeit die zweite, die Tapferkeit die dritte, die Mäßigkeit die vierte. Und so sagt uns der allgemeine Kirchenlehrer Thomas: Gerechtigkeit und Tapferkeit sind höhere Tugenden als die temperantia. Sie alle aber werden übertroffen von der Klugheit und den göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.

Falsche Vorstellungen gab es immer

Gegenüber dieser positiven Auffassung von der gesamten Schöpfung erhob sich im Orient eine heidnische Irrlehre, der Manichäismus, der eine Zerspaltung der Geschöpfe vertritt: die geistige Wirklichkeit und die geistigen Kräfte allein sind gut; die materiellen, die körperlichen dagegen böse. Christen wurden oft von dieser Lehre verführt, sie schlich sich wiederholt in den katholischen Lebensbereich ein und bildete Gruppen von Überreinen, die die Kirche immer wieder als Häretiker verurteilt. Der echte Katholik hat immer eine positive Auffassung von der gesamten Schöpfung.

Die Offenbarung spricht eine klare Sprache: Gott, liebt alles, was da ist und hasst nichts von dem, was er gemacht hat. Daher der Ausspruch: Omnis creatura Dei est bona - Alle Geschöpfe Gottes sind gut. Dem sollen wir in unserem Leben mit echter Entschlossenheit folgen: die Welt, die ganze Schöpfung ist gut und zu lieben, denn sie ist ein Werk Gottes.

Der zerstörerische Egozentrismus

Was die Güte unserer Beziehungen zur geschaffenen Wirklichkeit pervertiert, ist der Egozentrismus, d.h. sich in den Mittelpunkt der Schöpfung zu stellen und alles nur vom Profit und Genuss des künstlich isolierten ich zu betrachten und zu behandeln. Alle Wirklichkeiten, alles im Menschen kann ichsüchtig angesehen und benützt werden. Und so werden die gotterschaffenen Naturkräfte, die Leidenschaften, wenn sie vom Egozentrismus getragen werden, zu Lastern; werden sie aber zum Werkzeug der Liebeshingabe, nennen wir sie Tugenden.

Diese Polaritäten sind bekannt: Demut, Ergebung in die Wirklichkeit – Hochmut, das Ich zieht alles an sich; Keuschheit, Anerkennung des Sexuellen und Gebrauch der Geschlechtskraft als Liebeshingabe zur Elternschaft – Unkeuschheit, egoistische Triebbefriedigung, das Du wird zum Werkzeug für das Ich; Selbsterhaltung durch Essen und Trinken – Völlerei, oberflächliche Schlemmerei.

Auch im Bereich der geistigen Güter kann man ichsüchtig werden: z. B. Wissbegier, Wissen sammeln, um das Ich zu erhöhen, zu bereichern, mächtiger zu machen. Der hl. Thomas von Aquin nannte diese Art von Wissbegier curiositas, also die Neugierde. Die Liebe zur Wahrheit Gottes und dessen Schöpfung nennt Thomas studiositas, also das ordentliche Streben nach Wissen. Ein und dieselbe Leidenschaft kann durch Egozentrismus pervertiert werden und statt im Dienst der Harmonie zu wirken, zerstörerisch werden.

Den Grundsatz der hl. Theresia von Jesus anwenden

Haben wir das Ziel vor Augen, tun wir alles, was wir können, was in unserer Macht steht und dann leben wir ganz aus der Gnade, und bitten wir Gott allzeit um alle Hilfen für die Erlangung des Zieles. Seien wir großherzig und beten wir um die Beharrlichkeit bis zum Ende! Wegen der Neigung zum Egozentrismus müssen wir alle uns anstrengen, diese Neigung zu überwinden und das Herz immer wieder zur Hingabe zu öffnen. Der hl. Paulus empfiehlt im ersten Korintherbrief: Denkt nicht an euch selbst, ob ihr esst, trinkt oder etwas anderes tut, tut alles zur Verherrlichung Gottes (vgl. 1 Kor 10, 31).

 Es gibt darum eine wesentliche geistliche Übung der Abtötung, jene des Egoismus, d. h. des bewussten und gewollten Egozentrismus, Abtötung dieser Neigung, die das Ich absolut setzt und nur sich selbst sieht und exaltiert. Die anderen sogenannten Abtötungen verzichten auf etwas an sich Gutes, aber irgendwie sich vom Ganzen Abkapselndes. Sie dürfen eigentlich nichts abtöten, sie sind nur Übungen, Training, Askese zugunsten der inneren Ordnung, der Harmonie unter den verschiedenen Naturkräften, des Friedens mit sich selber, mit den Mitmenschen und mit Gott. Logischerweise sind die geistigen Abtötungen von höherem Belang als die körperlichen, etwa beim Fasten. Schließlich rufen wir uns auch ins Gedächtnis, dass die wirksamste Abtötung des Egoismus das persönliche, eigene Kreuz ist, das Gott dem Einzelnen im Leben auferlegt, sozusagen nach Maß gebastelt, welches uns mit dem erlösenden Heilswerk Jesu Christi vereint, dem Ja zu Seinen Geschöpfen.

Also verringern wir niemals unsere Wünsche, unsere Bitten an Gott in unserem Leben, in unserer Innerlichkeit. Seien wir unsererseits treu in den kleinen Dingen des Alltags, in der Liebe zu Gott und zum Nächsten, das ist wesentlich, um Gott wohlgefällig zu sein.

Sommer und Erholung

Gerne erneuere ich Jahr für Jahr meinen Aufruf in den Sommermonaten zu einer guten, echten Erholung im christlichen Geist für Seele und Leib. Vergessen Sie das nicht! Helfen wir uns auch gegenseitig, aus dem Hamsterrad des 21. Jahrhunderts herauszukommen. Gehen wir oft in die Natur hinaus und bewundern wir Gottes herrliche Schöpfung, besuchen wir die schönen Kirchen unseres Landes, die zahlreichen Wallfahrtsorte Unserer Lieben Frau.

 

Mit meinem priesterlichen Segen!

Jaidhof, am 1. Juli 2026, Fest des kostbaren Blutes

Vorwort des Distriktoberen
Ein zentraler Satz der großen hl. Theresia von Jesus für uns
„No apocar los deseos!“

Hochwürdige Mitbrüder, ehrwürdige Brüder und Schwestern im Ordensstand, liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter!

Mein Vorwort im Juli beginnt auf Spanisch. Vielleicht wissen Sie, dass Kaiser Karl VI. die spanische Sprache so sehr liebte, dass er sie auch bei uns einführen wollte. Es ist auch eine zutiefst katholische Sprache, vor allem, wenn wir auf das große goldene Zeitalter der spanischen Literatur blicken. Und Kaiser Karl V. bekannte, auf Spanisch zu beten, die anderen Sprachen bei anderen Gelegenheiten zu benutzen. Aber kommen wir zur Sache.

Die Wünsche nicht verringern!

Die hl. Theresia von Jesus (von Ávila, 1515–1582) sagte öfters zu ihren Nonnen, dass sie ihre Wünsche nicht verringern dürfen, no apocar/acortar los deseos. Ganz gegenteilig sollen religiöse Menschen handeln! Es ist gerade ein Zeichen des Fortschritts in der Beziehung zu Gott, dass wir immer tiefer und beständiger werden, dass man immer größere, nicht Ansprüche, sondern immer größere Bitten erhebt. Auch ich darf immer wieder daran erinnern.

Blicken wir in diesem Zusammenhang auf die Worte des hl. Apostels Paulus im Galaterbrief (Gal 2, 20): „Soweit ich lebe – Wort für Wort ist von Bedeutung! – lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat.“ Es ist diese unglaubliche Aussage, die doch den Kern unseres praktischen täglichen Glaubens bildet. Gott ist der Mittelpunkt unseres Lebens, er ist mein Alles, er ist die Liebe, er ist der tiefste Grund und das Ziel meines Seins.

Gottes heiliger Wille

Ich will Dich, Dich allein, weil Du mein Alles bist. Und das immer mehr zu erleben, ist ein gutes Zeichen, dass wir endlich das geistliche Leben zu verstehen beginnen, den Plan Gottes mit uns verstehen. Dann werden wir auch immer ruhiger. Was für ein Frieden, sich geliebt zu wissen von ihm, auch wenn ich in einem Kerker schmachte, auch wenn ich von allen Menschen verfolgt und missverstanden werde. Aber die Heiligen wussten und wissen genau, was die Einsamkeit ist, d. h. inmitten der Welt sich allein zu wissen, gekreuzigt mit dem Gekreuzigten, und sie wissen auch genau, dass propter crucem venit gaudium – wegen des Kreuzes die Freude kommt -  die wahre Freude, die nur Gott schenkt.

Heilig werden, tugendhaft werden

Der Beginn des Epheserbriefes des hl. Paulus bringt den herrlichen Satz: „Sicut elegit nos in ipso ante mundi constitutionem, ut essemus sancti et immaculati in conspectu ejus in caritate. – Wie Er uns denn in Ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und unbefleckt vor Ihm seien in Liebe“ (Eph 1, 4). Wir sind von Gott gerufen, berufen, heilig zu werden, vollkommen zu werden. Das ist grundlegend für uns Christen. Dann müssen wir aber auch auf die Tugenden blicken, auf das Ringen um die Tugenden durch den geistlichen Kampf, durch das christliche Leben im Alltag. Der hl. Thomas von Aquin bringt uns eine einfache, wunderbare Tugendlehre, die gültig ist für alle Zeiten. Des Menschen Gut ist das Gut der Vernunft und dieses Gut besitzt in seiner Wesenheit die Tugend der Klugheit, welche die Vollendung der Vernunft ist. Die Gerechtigkeit ist die Verwirklicherin dieses Gutes, ihr kommt es zu, in allen Menschen die Ordnung der Vernunft aufzurichten. Und die anderen Tugenden erhalten und schützen dieses Gut, sofern sie die Leidenschaften ordnen, damit sie den Menschen nicht vom Gut der Vernunft abwendig machen. In der Rangfolge dieser anderen Tugenden hat die Stärke oder Tapferkeit den ersten Platz und ihr folgt die temperantia, die Mäßigkeit. Die Wesenheit ist höher als das, was die Verwirklichung betrifft und diese wiederum ist höher als das, was die Erhaltung betrifft, sofern nur das Hinderliche hinweggeräumt wird.

Und darum ist unter den Kardinaltugenden die Klugheit die vornehmste, die Gerechtigkeit die zweite, die Tapferkeit die dritte, die Mäßigkeit die vierte. Und so sagt uns der allgemeine Kirchenlehrer Thomas: Gerechtigkeit und Tapferkeit sind höhere Tugenden als die temperantia. Sie alle aber werden übertroffen von der Klugheit und den göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.

Falsche Vorstellungen gab es immer

Gegenüber dieser positiven Auffassung von der gesamten Schöpfung erhob sich im Orient eine heidnische Irrlehre, der Manichäismus, der eine Zerspaltung der Geschöpfe vertritt: die geistige Wirklichkeit und die geistigen Kräfte allein sind gut; die materiellen, die körperlichen dagegen böse. Christen wurden oft von dieser Lehre verführt, sie schlich sich wiederholt in den katholischen Lebensbereich ein und bildete Gruppen von Überreinen, die die Kirche immer wieder als Häretiker verurteilt. Der echte Katholik hat immer eine positive Auffassung von der gesamten Schöpfung.

Die Offenbarung spricht eine klare Sprache: Gott, liebt alles, was da ist und hasst nichts von dem, was er gemacht hat. Daher der Ausspruch: Omnis creatura Dei est bona - Alle Geschöpfe Gottes sind gut. Dem sollen wir in unserem Leben mit echter Entschlossenheit folgen: die Welt, die ganze Schöpfung ist gut und zu lieben, denn sie ist ein Werk Gottes.

Der zerstörerische Egozentrismus

Was die Güte unserer Beziehungen zur geschaffenen Wirklichkeit pervertiert, ist der Egozentrismus, d.h. sich in den Mittelpunkt der Schöpfung zu stellen und alles nur vom Profit und Genuss des künstlich isolierten ich zu betrachten und zu behandeln. Alle Wirklichkeiten, alles im Menschen kann ichsüchtig angesehen und benützt werden. Und so werden die gotterschaffenen Naturkräfte, die Leidenschaften, wenn sie vom Egozentrismus getragen werden, zu Lastern; werden sie aber zum Werkzeug der Liebeshingabe, nennen wir sie Tugenden.

Diese Polaritäten sind bekannt: Demut, Ergebung in die Wirklichkeit – Hochmut, das Ich zieht alles an sich; Keuschheit, Anerkennung des Sexuellen und Gebrauch der Geschlechtskraft als Liebeshingabe zur Elternschaft – Unkeuschheit, egoistische Triebbefriedigung, das Du wird zum Werkzeug für das Ich; Selbsterhaltung durch Essen und Trinken – Völlerei, oberflächliche Schlemmerei.

Auch im Bereich der geistigen Güter kann man ichsüchtig werden: z. B. Wissbegier, Wissen sammeln, um das Ich zu erhöhen, zu bereichern, mächtiger zu machen. Der hl. Thomas von Aquin nannte diese Art von Wissbegier curiositas, also die Neugierde. Die Liebe zur Wahrheit Gottes und dessen Schöpfung nennt Thomas studiositas, also das ordentliche Streben nach Wissen. Ein und dieselbe Leidenschaft kann durch Egozentrismus pervertiert werden und statt im Dienst der Harmonie zu wirken, zerstörerisch werden.

Den Grundsatz der hl. Theresia von Jesus anwenden

Haben wir das Ziel vor Augen, tun wir alles, was wir können, was in unserer Macht steht und dann leben wir ganz aus der Gnade, und bitten wir Gott allzeit um alle Hilfen für die Erlangung des Zieles. Seien wir großherzig und beten wir um die Beharrlichkeit bis zum Ende! Wegen der Neigung zum Egozentrismus müssen wir alle uns anstrengen, diese Neigung zu überwinden und das Herz immer wieder zur Hingabe zu öffnen. Der hl. Paulus empfiehlt im ersten Korintherbrief: Denkt nicht an euch selbst, ob ihr esst, trinkt oder etwas anderes tut, tut alles zur Verherrlichung Gottes (vgl. 1 Kor 10, 31).

 Es gibt darum eine wesentliche geistliche Übung der Abtötung, jene des Egoismus, d. h. des bewussten und gewollten Egozentrismus, Abtötung dieser Neigung, die das Ich absolut setzt und nur sich selbst sieht und exaltiert. Die anderen sogenannten Abtötungen verzichten auf etwas an sich Gutes, aber irgendwie sich vom Ganzen Abkapselndes. Sie dürfen eigentlich nichts abtöten, sie sind nur Übungen, Training, Askese zugunsten der inneren Ordnung, der Harmonie unter den verschiedenen Naturkräften, des Friedens mit sich selber, mit den Mitmenschen und mit Gott. Logischerweise sind die geistigen Abtötungen von höherem Belang als die körperlichen, etwa beim Fasten. Schließlich rufen wir uns auch ins Gedächtnis, dass die wirksamste Abtötung des Egoismus das persönliche, eigene Kreuz ist, das Gott dem Einzelnen im Leben auferlegt, sozusagen nach Maß gebastelt, welches uns mit dem erlösenden Heilswerk Jesu Christi vereint, dem Ja zu Seinen Geschöpfen.

Also verringern wir niemals unsere Wünsche, unsere Bitten an Gott in unserem Leben, in unserer Innerlichkeit. Seien wir unsererseits treu in den kleinen Dingen des Alltags, in der Liebe zu Gott und zum Nächsten, das ist wesentlich, um Gott wohlgefällig zu sein.

Sommer und Erholung

Gerne erneuere ich Jahr für Jahr meinen Aufruf in den Sommermonaten zu einer guten, echten Erholung im christlichen Geist für Seele und Leib. Vergessen Sie das nicht! Helfen wir uns auch gegenseitig, aus dem Hamsterrad des 21. Jahrhunderts herauszukommen. Gehen wir oft in die Natur hinaus und bewundern wir Gottes herrliche Schöpfung, besuchen wir die schönen Kirchen unseres Landes, die zahlreichen Wallfahrtsorte Unserer Lieben Frau.

 

Mit meinem priesterlichen Segen!

Jaidhof, am 1. Juli 2026, Fest des kostbaren Blutes

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